Die drei Siebe Sokrates

                                         Bild von Fathromi Ramdlon auf Pixabay

 

Ein Mann rannte auf Sokrates zu.

„Sokrates, Sokrates! Weißt Du, was ich gerade über einen Deiner Schüler gehört habe?“

„Warte einen Moment“, sagte der Philosoph. „Bevor Du mir davon erzählst, möchte ich, dass Du einen kleinen Test machst, den ich ‚die drei Siebe’ nenne.“

 

„Die drei Siebe?“

„Ja. Bevor Du aussprichst, was Du sagen willst, prüfe es. Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast Du absolut sichergestellt, dass es wahr ist, was Du mir erzählen willst?“

„Äh, naja, nein … ich hab eigentlich nur davon gehört.“

„Gut. Du weißt also nicht, ob es wahr ist oder nicht. Lass uns zum zweiten Test kommen. Das Sieb der Güte. Ist, was Du mir über meinen Schüler erzählen willst, etwas Gutes?“

 

„Nein, im Gegenteil.“

 

„Aha, Du willst mir also etwas Schlechtes über meinen Schüler erzählen, obwohl Du nicht weißt, ob es wahr ist.“

Der Mann zuckte die Schultern. Er wirkte inzwischen etwas betreten.

Sokrates fuhr fort: „Vielleicht besteht das, was Du mir sagen willst, ja den dritten Test. Das Sieb der Nützlichkeit. Ist, was Du mir mitteilen möchtest, hilfreich für mich?“

 

„Also … nein, nicht wirklich.“

 

„Wenn es weder wahr ist, noch gut oder zumindest nützlich, warum solltest Du es mir dann überhaupt erzählen?“

Der Mann verstummte, er schämte sich und ging fort. Er hatte verstanden.

Wenn wir das nächste Mal etwas Unschönes über einen anderen sagen wollen, können wir uns zuerst fragen:

 

Ist es wahr?

Ist es gut?

Ist es nützlich?

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Für ein gutes Miteinander…

Unruhestifter zurechtweisen,

Kleinmütige trösten,

Sich der Schwachen annehmen,

Gegner widerlegen,

Sich vor Nachstellern hüten,

Ungebildete lehren,

Träge wachrütteln,

Händelsucher zurückhalten,

Eingebildeten den rechten Platz anweisen,

Streitende besänftigen,

Unterdrückte befreien,

Gute ermutigen,

Böse ertragen,

Und – ach – alle lieben.

 

 

Aus einer Predigt des Hl. Augustinus (354 - 430), Kirchenlehrer,
Bischof von Hippo in Nordafrika, über seine Aufgaben
(Sermo 340, De ordinatione episcopi), in:

Hans Winkler, Egon Kapellari. Was kommt? Was bleibt?
Gespräche an einer Lebenswende,

Styria 2013, S. 7

 

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Erntedank

Mit dem Erntedankfest – wo wir nicht nur für eine gute Ernte danken können, sondern auch für das Gelungene, Geleistete und Beschenkte in unserem Leben – bringen wir unseren vielfältigen Dank vor Gott.

Die Dankbarkeit macht uns reicher, schöpferischer, lebendiger. Für wie viel können wir im Alltag danken und uns darüber freuen! Schauen wir täglich auf den reich gedeckten Tisch der persönlichen Dankbarkeit.

Die Dankbarkeit kann eingeübt werden. Dazu finden Sie hier  eine konkrete Anregung.

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Du Gott der Anfänge

Du Gott der Anfänge,
segne uns,
wenn wir deinen Ruf hören,
wenn deine Stimme lockt
zu Aufbruch und Neubeginn.

Du Gott der Anfänge,
behüte uns,
wenn wir loslassen und Abschied nehmen,
wenn wir dankbar zurückschauen
auf das, was hinter uns liegt.

Du Gott der Anfänge,
lass dein Gesicht leuchten über uns,
wenn wir in Vertrauen und Zuversicht
einen neuen Schritt wagen
auf dem Weg unseres Glaubens.

Du Gott der Anfänge, schenke uns Frieden, wenn der eigene Weg uns aufwärts führt, wenn wir Lebewohl sagen. Lass die Blumen für jeden von uns blühen, lass Wind uns den Rücken stärken und die Sonne warm auf das Gesicht schauen, wo immer wir gehen.

Du Gott der Anfänge, segne uns.

Irischer Segensspruch

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